Eine verlockende Begegnung, die sich bald als sehr verhängnisvoll erweisen sollte …

 

Das Erste, was seine Sinne wahrnehmen konnten nachdem er langsam zu sich kam, war ein leichter süßlicher Geruch, der seinen Nasenwänden nur zögerlich entwich. Das Atmen fiel ihm dennoch schwer. Sein Mund schien blockiert, verstopft. Weit aufgerissen einerseits, aber dennoch durch einen glatten, kalten, runden Gegenstand versperrt und am Sprechen gehindert.

 

Rastlos suchten Augen nach Anhaltspunkten, blieben in der Dunkelheit jedoch erfolglos. Er konnte am Hinterkopf einen leichten, penetranten Druck von Fixierbändern erahnen. Was war hier los? Dann erfasste Kälte seinen Körper. Er fror am ganzen Leib. Seine Füße schmerzten halb taub, blank auf hartem Untergrund stehend, seine Beine nackt, zitterten. Sein Oberkörper war umschlungen von einer Art Leder? Was war es, dass da schroff auf seiner nackten Haut lag, seine Brustwarzen versteinerte? Wer hatte ihn seiner Kleidung beraubt?

 

Schnell wollte er es ergreifen, es entfernen, sich befreien. Aber der Impuls, den sein immer noch nicht voll funktionierendes Hirn aussendete, konnten seine Hände nicht ausführen. Er konnte weder sie, noch seine verschränkten Arme bewegen. Er war gefesselt! Erst jetzt wurde es ihm klar. Er trug eine Art Zwangsjacke! Das musste es sein. Und so er sich auch wand, er konnte nicht vom Fleck. Er war gefangen, er konnte nicht fliehen. Angst und Panik trieben seinen Puls hoch, fluteten seine Nerven mit Adrenalin. Und wie einzelne Körner einer Sanduhr, rieselten nun die Erkenntnisse im Sekundentakt in seinen, vernebelten, stockend aufklärenden Verstand. Er war halbnackt, gefesselt, den meisten seiner Sinne beraubt, machtlos und ausgeliefert …     Und er war nicht allein!

 

Jemand war in der Nähe. Wo auch immer er war, jemand war da, jemand hatte ihn hier gefesselt. Jemand hatte etwas mit ihm vor. Hastig arbeitete sein Erinnerungsvermögen an der Rekonstruktion der Ereignisse, um die Erklärung für seine bedrohliche Lage finden zu können.

 

Eigentlich hatte er an einem Freitagabend ein paar Drinks zu sich nehmen wollen, in der Innenstadt an der Bar seines Lieblingspubs, dem einzigen English Pub in der Stadt. Wollte sich die Zeit vertreiben, und vielleicht eine Gespielin für die Nacht, oder wenn sie es wert war, für das Wochenende kennenlernen. Bei seinem zweiten Guinness war draußen ein roter Jaguar vorgefahren. Als sich die Türen des Wagens öffneten, hatte sich eine unfassbar sexy Blondine als Fahrerin enttarnt. In dunklen Stoff gehüllt hatten ihre nicht enden wollenden Beine in aufregenden Highheels sie in den Eingangsbereich des Pubs, an der Bar und ihm vorbei getragen, um in einem entlegen dunklen Eck der Kneipe, Platz zu nehmen. Ihre Souveränität, ihr Anmut, ihre Schönheit, und ihre Arroganz hatten ihn gleich in ihren Bann gezogen. Er wollte SIE. Sein Verlangen war von dem verführerischen Duft ihres Parfüms noch verstärkt worden. So einen Duft hatte er noch nie wahrgenommen.

 

Er hatte die Augen nicht von ihr lassen können und beobachtet wie sie, noch bevor sie etwas bestellen konnte einen Anruf bekommen hatte, und dann wieder schlagartig den Pub verlassen hatte. Er hatte ihr einfach folgen müssen. Ihr Geruch hatte ihn gelockt wie Speck eine Maus in ihr Verderben trieb. Merkwürdigerweise hatte sie ihren Jaguar stehen lassen und war nur um die nächste Ecke abgebogen, vielleicht nur um zu telefonieren. So hatte er beschlossen ihr zu folgen und sie irgendwie anzusprechen. Er lief ihr nach.

 

Er folgte ihr über die Straße bis ins gegenüberliegende Hotel und wähnte sich im Glück als er sie im Aufzug erblickte, in ihre tiefen musternden Augen schaute und ihr sofort gänzlich verfallen war. Distanziert lächelnd hatte sie ihm die Tür geöffnet. Er war eingetreten, hatte ihr einen schönen Abend gewünscht, sich bedankt und als er sich nervös umgedreht hatte, um sich seine nächsten Worte zurecht zu legen, hatte sie ihn auch schon, erstaunlich kräftig, von hinten ergriffen, ihm etwas auf seine Atmungsorgane gepresst und überwältigt. Das letzte an das er sich erinnern konnte, war dieser süßliche Geruch, der ihn schwermütig und müde zu machen schien. Danach war alles nur noch dunkel.

 

Dieser Geruch war nun verflogen. Er war wach und nun endlich auch klar bei Verstand, aber konnte immer noch nicht begreifen, was los war. Da roch er wieder etwas. Etwas bekanntes, etwas erregendes. Konnte das sein, diesen Duft kannte er doch. War es ihr Duft? Es war das Gemisch aus Parfüm und eines anderen Stoffes den er noch nicht definieren konnte. Ja! Das war IHR Duft, der Duft der Venus. Der Unbekannten. Er merkte wie augenblicklich sein Verlangen wieder entflammte, der Wunsch sie zu berühren ihn ganz vereinnahmen wollte. Blut wollte in seinen Penis fließen, was in ihm jedoch Schmerzen auslöste. Da war etwas unter einen Shorts. Etwas aus Stahl. Kalt. Eng. Etwas, dass sein Glied daran hinderte sich aufzurichten. Sollte das etwa eine Art Keuschheitsgürtel? Was war das nur?

 

Warum hatte sie ihm diesen nur angebracht? Seltsamerweise wich seine Angst einer leichten Vorfreude ihr eventuell Nahe sein zu können. Was es auch kosten würde, er wollte ihr Nahe sein. Dann hörte er erstmals ihre selbstbewusste betörende, sinnliche, leise aber durchdringende Stimme. ‚Willkommen!‘ hörte er sie sagen. Danach sich nähernd, als hohe Absätze auf die Kacheln aufschlugen ‚Ja das ist ein Schloss in deiner Shorts!‘ Als könnte sie seine Gedanken lesen, eingeloggt in seinen Verstand. Ihm wurde bewusst, sie hatte ihn total unter Kontrolle, hatte ihn entführt und Besitz von ihm ergriffen. Diese Erkenntnis erregte ihn zugleich und lies ihn die Enge seines eisernen Gefängnisses zwischen den Beinen erneut schmerzhaft spüren. Ein süßer Schmerz, weil sie ihn verursachte. Ja das musste er zugeben.

 

Plötzlich rissen die Klebestreifen, die seine Augen verklebt hatten ab. Der Sperrige Gegenstand wurde seinem Mund entnommen, sein trockener Gaumen und seine Zunge schienen aufzustöhnen. Das Reißen an seinen Brauen schmerzte, aber gleichzeitig war es ein süßer Schmerz, weil sie ihn verursachte. Ja das musste er zugeben. Das grelle Licht blendete ihn zunächst. Schritte entfernten sich wieder. Langsam hob er seinen Kopf und als die Flecke auf seinem Sichtfeld langsam verschwanden und sich seine Iris an das Licht gewöhnte, sah er ihre Silhouette vor einem großen Spiegel sitzen.

 

Da war sie, hatte ihm den Rücken zugewandt und trank seelenruhig ein Glas Cognac, zelebrierte es geradezu, die Flüssigkeit im Glas ruhig kreisen lassend. ‚Falls du immer noch nicht klar siehst‘ erklärte sie ruhig, besonnen aber äußerst bestimmt. ‚Der Schlüssel hier‘ sie trug ihn um den Hals, aber hatte ihn nun leicht spielerisch zwischen Daumen und Mittelfinger platziert ‚sollte wohl Antwort genug sein.‘

 

Sie war sexy hatte Stil und sie wusste, was sie wollte. Und er sah, was ihren so verführerischen Duft ausmachte. Den Mantel hatte sie abgelegt. Sie war ganz in Latex gehüllt. Sie trug einen schwarzen Blazer passend zu einer hautengen schwarzen Hose. Beides saß hauteng und glänzend an ihrem scheinbar makellosen Körper. Und diese Highheels, diese aufregenden Waffen der Sünde, ließen ihre schlanken, alles umschlingenden Beine endlos erscheinen.

 

Er blickte in den Spiegel und sah ihr Gesicht. Ihre langen blonden Haare ja fast engelsgleichen Haare bildeten einen markanten, überwältigenden Kontrast zu ihrer Kleidung. Ihr leicht verachtend lächelnder Mund hielt seinen Blick kurz gefangen als er sich schließlich hilflos in den Bann ihres tiefen wachsamen und durchdringenden Blickes verlor. Spottend lachte sie ‚Ihr Männer …‘ wieder dieses arrogante und zugleich anmutige Schmunzeln. ‚Ihr glaubt immer sooo unglaublich stark zu sein, dabei seid ihr alle so unfassbar schwach!‘

 

Ihre stechenden harten Augen beobachten und musterten ihn durch den Spiegel. Wie ein Raubtier seine Beute ausspäht kurz vor dem Angriff, dachte er sich und sein Puls trieb an. Sein Herz schlug pulsierend in seiner Brust. Sollte sie doch! Ihn angreifen, ihn überwältigen, ihn erlegen. Er wollte ihr gehören, wollte ihr ausgeliefert sein und sich ihr unterwerfen. Ja er war ihr Opfer, wenn er sie dafür nur berühren durfte.

 

‚Ich mach es kurz‘ sagte sie unvermittelt in einem schroffen kalten Ton. ‚Du sagst mir, wer du bist, wer dich schickt und warum du mich verfolgt hast. Das sagst du mir jetzt und alles wird gut.‘ Sie lächelte verschlagen, was ihm gefiel. ‚Wenn du nicht reden willst, habe ich meine Methoden. Und glaub mir, du wirst reden. Sie reden alle irgendwann. Die Frage ist nur wie lange du aushalten kannst. Also mach es kurz und spare uns beiden Zeit! Und vielleicht belohne ich dich dafür und benutze den Schlüssel hier.‘

 

Ihr Befehlston ließ ihn vor Verlangen zittern und ihm wurde klar, dass er nicht sagen durfte, dass es offensichtlich nur eine Verwechslung war. Er war zur falschen Zeit am falschen Ort auf die falsche Braut scharf gewesen. Aber war es wirklich die Falsche? Nein sie war die Richtige! Er würde nichts sagen, nichts aufklären. Nein, er wollte ihre ‚Methoden‘ kennenlernen, wollte sie aushalten. Der Trieb sie zu riechen, zu schmecken sie zu spüren, ganz gleich wie, wurde elementar. Es war das Einzige was jetzt noch zählte. Er war bereit dieses bizarre Spiel mitzuspielen.

 

Elegant schob sie ihren Stuhl zurück. Ihre Augen fixierten ihn, als sie sich ihm zuwendete. Ihr aufregend einladendes Dekolleté entführte seine Gedanken. Ruhig und langsam trennte sie sich von dem Blazer und ließ einen Catsuit darunter zum Vorschein kommen. Ihre Taille brachte ihn nahezu um den Verstand. Er schluckte, rang nach Luft, Schwindel ergriff ihn.

 

‚Also schön‘ hallten ihre Worte wie ein bittersüßes Versprechen durch den Raum, als sie sich erhob das Glas auf den kalten Boden brutal zerbersten ließ und sich ihm endlich, endlich näherte …

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